Überleben in Horrorstorys

Strategien für angehende Opfer

An dieser Stelle möchte ich euch mit einem Ratgeber aus dem Bereich »Survival Extrem« beglücken. Wie der Titel bereits vermuten lässt, geht es dabei um Horrorstorys und auf welche Weise man sie übersteht, ohne als menschliches Hackbällchen zu enden. Hier erfahrt ihr, warum einige beim Angriff des Kettensägen-Mörders unweigerlich draufgehen, während andere nach dem Marsch der Zombies weiteratmen.

Natürlich werdet ihr jetzt sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, in eine solche Situation zu geraten verschwindend gering und das Lesen dieses Beitrags deshalb im Grunde reine Zeitverschwendung ist. Mag durchaus stimmen, allerdings beginnen die meisten Horrorstorys mit Sätzen a la »Es gibt keine Werwölfe«, woraufhin der jeweilige Sprecher für immer von der Bildfläche verschwindet. Nur ein kleiner Denkanstoß …

Für diejenigen, die auf Nummer sicher gehen wollen, habe ich jedenfalls die wichtigsten Strategien für angehende Opfer zusammengetragen. Zehn einfache Überlebensregeln, die euch im Zweifelsfall den Arsch retten können.

 

 

Überlebensregel 1: Minderheitenquote meiden

 

Wenn du zu einer ethnischen, gesellschaftlichen oder anders gearteten Minderheit gehörst, stehen deine Karten leider verdammt schlecht. Sieh dich also beim ersten Anzeichen von Gefahr gründlich in dem Grüppchen, das dich begleitet, um und analysiere die grobe Verteilung. Bist du der einzige Afroamerikaner, Blondschopf, Punk oder Anzugträger unter den Leuten, kannst du dir den Rest des Ratgebers eigentlich schenken. Du wirst draufgehen.

Sorry, aber es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung ­– und Horrorstorys sind eindeutig der falsche Ort für Individualisten.

 

 

Überlebensregel 2: Halt die Klappe!

 

Du stehst allein vor deinem Haus, sämtliche Fenster außer das eine mit der zerbrochenen Scheibe sind schwarz, hinter dir leuchtet der Mond am nächtlichen Himmel und die Eingangstür hängt schief in den Angeln. Was tust du?

Neunzig Prozent der Protagonisten in Buch und Film latschen an dieser Stelle fröhlich ins Wohnzimmer, reißen die Augen auf und flüstern ein höfliches »Hallo? Ist da wer?« in die Dunkelheit. Zehn Sekunden später werden sie niedergeschlagen, zerstückelt oder gefressen.

Mal ehrlich, was soll der Quatsch? Vielleicht ist es ein böses Vorurteil, aber nach Blut dürstende Monster antworten eher selten mit einem »Servus, ich bin´s« und schütteln dir die Hand.

Es empfiehlt sich daher, den Mund geschlossen zu halten und den koordinierten Rückzug anzutreten. Das gilt übrigens nicht nur für Horrorstorys; auch im wahren Leben reagieren Einbrecher meist nicht besonders freundlich auf derartige Begrüßungen.

 

 

Überlebensregel 3: Einzelne Beute heißt leichte Beute

 

Sollten du und deine Freunde vor Zombies oder anderen Kreaturen flüchten, wird einer aus der illustren Runde garantiert zu gegebener Zeit den Vorschlag machen, sich zu trennen. Ein genialer Geistesblitz! Lasst den Trottel als Appetithäppchen zurück und lauft geschlossen weiter!

 

 

Überlebensregel 4: An Notausgänge denken

 

In jeder halbwegs guten Horrorstory werden die Protagonisten irgendwann vom irren Hakenhand-Rächer aufgespürt und die Stockwerke raufrunter durch ein wurmstichiges Gebäude gejagt. Das gehört dazu. Das lässt den Puls des Publikums in die Höhe schießen.

Statt nun jedoch den nächstbesten Ausgang anzusteuern, stürmt die Meute entweder auf den Dachboden oder in den Keller. Beides ein blöde Idee … Denn wer nicht gerade von einer radioaktiven Spinne gebissen beziehungsweise als Bewohner des Planeten Krypton geboren wurde, sitzt ab da nämlich ganz übel in der Falle.

Das einfache Motto lautet daher: Meide Dachböden, Keller, Wandschränke, Aufzüge, Balkone, Felsklippen und sonstige einseitig begehbare Versteckmöglichkeiten. Unbedenklich sind dagegen Durchgangszimmer, fensterreiche Räume im Erdgeschoss und Tageslichtbäder – den Wert Letzterer wird dir auch jeder Immobilienmakler gern bestätigen.

 

 

Überlebensregel 5: Bleib realistisch

 

Horrorstorys sind keine Seifenopern! Dank Hollywood und Verlagswesen hat sich in uns das Bild tragischer Vampire festgesaugt, die auf der Suche nach ewiger Liebe die Nacht durchstreifen. Schöne Vorstellung … trotzdem würde ich vielleicht nicht unbedingt den nächstbesten Typ mit spitzen Zähnen fragen, ob er im Sonnenlicht glitzert. Manche Blutsauger reagieren etwas sensibel auf solche Klischees.

 

 

Überlebensregel 6: No Sex!

 

Tut mir wirklich leid, doch in Horrorstorys helfen Kondome rein gar nichts – lediglich Enthaltsamkeit bewahrt dich vor dem Ende. Klingt seltsam? Ist Tatsache! Gerade frustrierte Jungfrauen, die zwischen der ersten und vierten Runde des fröhlichen Mordens ihren niederen Trieben nachgeben, landen unumgänglich auf der Abschussliste.

Auf der anderen Seite hat das Ganze den nicht zu verachtenden Vorteil, dass man sich das unangenehme Gespräch beim Frühstück erspart … dafür stirbt man einen grausigen Tod … immer diese Entscheidungen …

 

 

Überlebensregel 7: Finger weg!

 

Von seltsamen Gegenständen oder Dingen, die in der jeweiligen Umgebung fehl am Platz scheinen, sollte man grundsätzlich die Hände lassen. Sie sind entweder verflucht, vergiftet, verdrahtet, anderweitig tödlich oder verursachen spontanen Herpes.

Beim Thema Bücher gilt außerdem folgende Sonderregel: Nicht aufschlagen und laut vorlesen! Da verhält es sich wie beim Telefonbuch – man wählt keine Nummer, wenn man denjenigen nicht auch tatsächlich anrufen will.

 

 

Überlebensregel 8: Waffen

 

Gegen Vampire helfen Knoblauch, Weihwasser, Kruzifixe und Holzpflöcke. Werwölfe erledigt man mit Silber – ideal sind Kugeln, aber im Ernstfall funktionieren vermutlich auch handelsübliche Gabeln. Zombies muss man enthaupten. Geister werden durch Zaubersprüche und Steinsalz vertrieben. Bei Dämonen und Serienkillern bedarf es ein wenig Kreativität und am besten explosiven Materials.

Weil man das meiste davon eher selten in der Hosentasche mit sich spazieren trägt, könnte man gezwungen sein, auf Alternativen zurückzugreifen. Feuer ist für klassische Horrorstorys wohl die erste und beste Wahl. Falls nicht gerade ein Flammenwerfer herumsteht, erfüllen ein Feuerzeug und Haarspray ungefähr denselben Zweck. (Bitte nicht zu Hause ausprobieren!!! Brandschäden wegen Monsterbekämpfung übernimmt keine Versicherung!!!)

 

 

Überlebensregel 9: Keine Paranoia

 

Nicht jeder Charakter, der in einer Horrorstory auftaucht, meint es automatisch schlecht mit dir – obwohl sich alsbald das Gefühl einschleichen wird, du könntest niemandem vertrauen. Versuch trotzdem, den Leuten nicht schon beim winzigsten Augenzucken schleichenden Wahnsinn zu diagnostizieren und beim leisesten Geräusch gewetzte Krallen zu hören. Du verpasst sonst eventuell die Chance auf eine Rettung in letzter Minute.

Bietet dir allerdings jemand an, dich in seinem Keller zu verstecken, lass es lieber bleiben. Der Typ hat immer eine Schraube locker. Dazu kommen die üblichen Verdächtigen, denen du niemals trauen solltest, wie der Hausmeister, der nette Nachbar von nebenan, die freundliche Krankenschwester, alte Freunde von früher, der Postbote, dein Zahnarzt, die Lehrerin, der Kerl hinter der Käsetheke … Okay, bisschen paranoid sein schadet in Horrorstorys vermutlich nicht.

 

 

Überlebensregel 10: Dummen Ideen nicht nachgeben

 

Dieser Punkt sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber folgende Dinge stehen definitiv auf der schwarzen Liste: Haustiere auf Friedhöfen vergraben. Hexen verbrennen. Mit neuen Virenstämmen experimentieren. Fremde Särge öffnen. Spukhäuser kaufen. Verträge mit Blut unterschreiben. Besoffen Auto fahren, Spaziergänger niedermähen und die Sache vertuschen (zumindest nicht im Sommer). Pentagramme aufs Laminat kritzeln. Abgelegene Dörfer besuchen. Riesige, schwarze Hunde streicheln. Prinzip dürfte klar sein, oder?

 

 

Damit wären wir am Ende angelangt. Ich bedanke mich für die Aufmerksamkeit und beende den Ratgeber mit einem abschließenden Tipp: Habt ihr durch meine Überlebensregeln oder pures Glück eine Horrorstory überlebt, genießt die nächste Zeit so intensiv wie möglich. Dieser Zustand wird nämlich nur grob 120 Minuten beziehungsweise 500 Taschenbuchseiten anhalten. Denn die meisten Horrorstorys haben eines gemeinsam – wenn einer übrig bleibt, gibt es früher oder später garantiert eine Fortsetzung …

 

 

Daniela Herbst 13/02/2017 2 Comments

2 thoughts on “Überleben in Horrorstorys”

  1. Danke sehr für die Ausführungen. Eventuell ein 11. Tipp:
    Wer offen kämpft hat mehr vom Leben, denn er sieht nicht nur seine Gegner kommen, eventuell sogar einen Ausweg aus einer verfahrenen Situation..

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