Hundert Jahre Abhängigkeit

Von mentalen Fesseln zu realer Gewalt

 

Gedanken zu »Dornröschen mein«

Dornröschen mein

Eine Frau, die entführt und auf recht drastische Weise gefangen gehalten wird ...
Klingt spannend, aber auf den ersten Blick nicht besonders realitätsnah. Zum Glück, schließlich handelt es sich bei der Story um einen Kurzkrimi und nicht um einen Tatsachenbericht. Trotzdem, so unrealistisch ist das Ganze auf den zweiten Blick eigentlich gar nicht. Zum einen geschehen eine Menge schlimme Dinge auf dieser Welt. Zum anderen lässt sich die Geschichte nicht nur wörtlich verstehen. Auf den Kern reduziert beschäftigt sich »Dornröschen mein« mit dem Schaffen und Ausnutzen von Abhängigkeiten. Dabei muss es nicht gleich eine Entführung sein.

 

Es gibt ja durchaus mehrere Varianten von Abhängigkeit ...

  • Finanzielle Abhängigkeit
  • Emotionale / Psychische Abhängigkeit
  • Gesellschaftliche Abhängigkeit
  • Körperliche Abhängigkeit

 

Und egal, ob sie bereits bestanden hat oder gezielt geschaffen wurde – wer eine Abhängigkeit bewusst für sich nutzt, übt in irgendeiner Form Gewalt aus. Eine Form von Gewalt, die wiederum verschiedene Gesichter besitzt.

 

So kann sie darin bestehen …

 

  • Ängste zu schüren
  • Schwächen vor Augen zu halten
  • körperliche oder anderweitige Überlegenheit zu demonstrieren
  • emotionalen Druck auszuüben
  • absichtlich die Abhängigkeit zu thematisieren

 

Die Mechanismen sind vielfältig und je länger die Abhängigkeit besteht, desto stärker wird sie in der Regel werden. Auf beiden Seiten verfestigen sich die Rollen und ab einem gewissen Punkt scheint es unmöglich, je wieder aus der Abhängigkeit herauszukommen.

 

Im Gegensatz zu »Dornröschen« in der Geschichte stehen die Betroffenen der Situation aber meist nicht völlig hilflos gegenüber. Sie können zum Beispiel versuchen ...

 

  • den anderen mit seinem Verhalten zu konfrontieren
  • sich Hilfe durch einen Außenstehenden zu suchen
  • die Abhängigkeit schrittweise aufzulösen

 

Das ist nicht leicht und kostet sicher reichlich Überwindung, Kraft sowie Mut. Zudem hinterlassen derartige Erfahrungen immer ihre Spuren, sogar wenn sie längst nicht mehr bestehen. Glücklich, wem sie erspart bleiben. Wobei ...

 

Ersetzen wir mal den Entführer durch eine abstrakte Sache wie ... 

  • eine Gedankenschleife
  • ein Ziel, Vorstellungen, Wünsche
  • Komplexe und Ängste
  • Kaffee (*zwinker)

 

Haben wir dann nicht alle irgendwelche Abhängigkeiten in unserem Leben? Sei es der Druck, beruflich erfolgreich zu sein. Das Bedürfnis, eine Familie zu gründen. Die Sehnsucht, geliebt zu werden. Minderwertigkeitsgefühle. Phobien. Und tun wir uns nicht selbst bis zu einem gewissen Grad Gewalt an, indem wir uns von diesen Anhängigkeiten beeinflussen oder gar einschränken lassen?

Nur ein paar Gedanken zu »Dornröschen mein« und der Grundidee hinter der Geschichte. Was geht euch dabei durch den Kopf? Seid ihr irgendwo anderer Meinung? Habt ihr eventuell konkrete Erfahrungen?

 

Daniela Herbst 19/01/2017 No Comments

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