Die Geschichte von den drei Brüdern

Es war einmal …

… ein Vater, der hatte drei Söhne, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Der eine von hagerer Statur mit schwarzen Haaren. Der andere kurz geraten und rund mit rotem Schopf. Der Dritte groß und stämmig mit blonder Mähne.
Doch nicht nur optisch erwiesen sie sich wie Feuer, Wasser und Wind – auch ihrem Wesen nach wäre niemand auf den Gedanken gekommen, dass die jungen Männer den gleichen Eltern entstammten. Zeigte sich der eine schüchtern und zurückhaltend, machte der Zweite als wortgewandter Unterhalter mit Lausbubencharme von sich reden. Wohingegen der Letzte mit seinem aufbrausenden Temperament zu kämpfen hatte.
Kurzum: Sie ähnelten sich in nichts und glichen einander in noch weniger.


Nun kam es, dass der Vater sehr krank wurde und die Zeit näher rückte, da er seiner Frau in den Himmel folgen sollte. Bald galt es also auch, seinen Hof an einen der Söhne weiterzugeben. Es war kein großer Hof, doch er konnte die Familie ernähren. Mit harter Arbeit, gutem Willen und Disziplin brachte man eine Handvoll Menschen mit den Erträgen satt. Das hieß einem der Brüder mochte er ein Heim für die kommende Generation sein; die beiden Verbliebenen mussten gehen und ihr Glück in der Fremde suchen.
Auf seinem Lager zerbrach er sich den Kopf, wem von den Dreien er diese Verantwortung zutraute. Er dachte sich Fragen und Aufgaben aus, um ihre Stärken und Schwächen zu beleuchten. Viele Tage stellte er sie auf die Probe, wog ab und grübelte.
Am Ende rief er einen nach dem anderen die Söhne an seine Bettstatt. Dem Ersten sagte er: »Du bist ein brillanter Rechner und Kaufmann. Du erzielst am Markt die besten Preise. Doch dein Daumen ist schwarz. Dir verdirbt die Ernte auf dem Feld.« Dem Zweiten verkündete er: »In dir steckt ein kreativer Künstler. Du besitzt Ideen und Visionen. Leider hast du kein Händchen fürs Geld.« Dem Dritten schließlich teilte er mit: »Dich hat die Natur zu einem Arbeitstier gemacht. Fleißig und geradlinig verrichtest du dein Tagwerk. Allein der Blick über den Pflug hinaus fehlt dir.«
So konnte er sich für keinen entscheiden und beschloss, noch eine Weile zu warten und die Zeit sie schleifen zu lassen. 

 

Drei Wochen später starb er.
Nach angemessener Trauer war es nun an den Brüdern die Entscheidung zu treffen, zu der ihr Vater nicht fähig gewesen war. Sie führten bis tief in die Nacht Gespräche am Feuer, gingen ihrer Arbeit nach und versuchten sämtliche Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen. Sollte der Älteste den Hof bekommen? Der Fleißigste? Der Schlaueste? Der Stärkste?
Natürlich wollte keiner auf den Hof verzichten und mittellos in die Fremde ziehen. So beschlossen sie vorerst, alle zu bleiben. Zumindest so lange, bis einer von ihnen tatsächlich eine Frau geehelicht und Kinder in die Welt gesetzt hätte. Bis Platz und Erträge zu gering wären, um jeden Mund zu füttern und jede Hand zu wärmen. Demjenigen, der als Erster eine Familie gründete, stehe dann auch das Erbe zu, hielten sie für sich fest.
Drei Jahre dauerte es, bis der Älteste seinen Stammhalter schreien hörte.
Eigentlich das Zeichen für die beiden anderen, zu gehen.
In ebenjener Zeitspanne jedoch hatten sich die Brüder in ihren Fähigkeiten derart perfekt ergänzt, dass der Hof stetig gewachsen war. Mit Geschäftssinn, Kreativität und Fleiß war es ihnen gelungen, den Besitz samt Ernte mehr als zu verdreifachen. Auf diese Weise konnten sie nun doch alle bleiben und den Grundstein für ihre Familien legen.

 

Und die Moral von der Geschicht´: Entscheidungen trifft man oder sie treffen dich

 

Daniela Herbst 04/07/2014 No Comments

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