Die drei Instanzen

»Wenn du vor der Wahl stündest: Ein ums andere Mal diesen Schmerz spüren, aber dafür auch unendliche Freude, oder in Anbetracht all der Emotionen auf dieser Welt nichts fühlen – wie würdest du dich entscheiden?«
»Ich weiß es nicht«, sagte das Herz und schlug in trommelndem Takt.
»Und du? Wenn du vor der Wahl stündest: Noch einmal das Risiko eingehen, dich völlig zu vergessen und verraten zu werden, und dafür die Chance erhalten, ein paar Momente lang frei zu sein, oder niemals wieder den Pfad der Vernunft verlassen – wie würdest du dich entscheiden?«
»Ich weiß es nicht«, sagte der Kopf und erging sich in Grübeleien.
»Und zuletzt frage ich auch dich, wenn du vor der Wahl stündest: Hin und her zu taumeln zwischen Hitze und Kälte, dem aufregenden Kribbeln und dem schmerzhaften Ziehen, den Schmetterlingen und den Felsbrocken oder ohne jeglichen Reiz durchs Leben zu gehen – wie würdest du dich entscheiden?«
»Ich weiß es nicht«, sagte der Bauch und verkrampfte in Angst.
»Also schön, dann frage nun ich dich«, erwiderte die Liebe. »Wenn du vor der Wahl stündest: Das Wohl deines Herzens, deines Kopfes und deines Bauchs riskieren und lieben, selbst auf die Gefahr hin, verletzt zu werden, oder allein bleiben – wie würdest du dich entscheiden?«
»Ich weiß es sehr wohl«, sagte der Mensch. »Und du ebenfalls.«
Zufrieden nickte die Liebe und fing die Träne auf, die dem Menschen von der Wange perlte. Sie hatten schon oft hier gesessen. Mal lachend, mal weinend – und noch immer waren sie gemeinsam zurückgekehrt.

Daniela Herbst 24/05/2017 No Comments

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