Der längste Konjunktiv der Welt (Quickie)

Wenn ich wäre, was ich sein wollte, und sein wollen würde, was ich sein sollte, dann wäre ich, wie alle mich haben wollen, und keiner wollte mehr, dass ich anders sei. Wäre das nicht furchtbar langweilig? Denn wie sollte ich sein wollen, wenn ich schon wäre, wie mich alle haben wollen, und ich selbst denken würde, dass ich nicht anders sein sollte, weil mich sonst alle wieder anders würden haben wollen?
Bin ich gar schon, wie ich sein wollte, weil ich glaubte, so sein zu müssen, da die anderen meinten, dass ich es sein sollte? Nehmen wir es mal an. Sollte ich in dem Fall dann wollen, immer so zu sein, wie ich bin, weil ich so wäre, wie mich alle haben wollen?
Davon bekommt man ja Kopfschmerzen. Und überhaupt: Will ich das eigentlich? Ich meine, will ich so sein wie ich bin? Wollte ich so werden wie ich bin? Und wenn ich so sein will und wollte, will ich es dann, weil ich schon immer so hatte sein wollen oder weil ich denke, dass die anderen mich so hatten haben wollen?
Ich denke, ich höre auf zu wollen und zu sollen und beschränke mich auf das Sein. So zu sein, wie man ist, ist nämlich kompliziert genug – auch ohne darüber nachzudenken, ob man vielleicht nicht doch besser anders wäre oder anders sein wollen sollte oder es nur ist, weil einen andere so hatten haben wollen und dich dazu gebracht haben, es zu werden.  

 

Daniela Herbst 12/05/2016 2 Comments

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