Botschaften aus dem Drucker

Das erste Mal passierte es an einem Donnerstag.
Ich wollte mein superschickes neues Multifunktionsgerät einweihen und ein Dokument scannen. Eine Sache, die mich früher in den nächsten Copyshop getrieben hatte und die ich nun glaubte, bequem zuhause erledigen zu können. Durchaus legitime Hoffnungen möchte ich meinen. Immerhin war der Drucker mit Extras nicht gerade billig gewesen.
Ich hockte mich also an meinem Schreibtisch, legte das Papier auf die Glasfläche, schloss die Klappe und drückte die vorgeschriebenen Knöpfe.
Pustekuchen. Die grüne Lampe leuchtete auf, sonst herrschte das Schweigen im Walde.
Leicht irritiert prüfte ich die Kabel. Alles in Ordnung. Ich schaltete ihn aus und ein, verpasste ihm einen Schlag auf den Hinterkopf und wandte mich am Ende sogar an den Kundendienst. Nach drei Stunden sah ich mich das Ding schon in den Laden zurückbringen.
Ich lange nach der Strombuchse, da begann es, aus heiterem Himmel ein Blatt auszudrucken.
Eigentlich hätte ich mich freuen könne. Meine Neuerwerbung funktionierte; auch wenn sie kopierte, anstatt zu scannen. Leider stammte das, was auf dem Papier stand, eindeutig nicht von mir.

 

»Ich kenne deine Zukunft.«
Dieser eine Satz prangte in der Mitte des weißen Rechtecks.

Unheimlich. Obwohl es mir zu diesem Zeitpunkt nicht so vorkam. Ehrlich gesagt dachte ich zuerst an einen Werbegag. Ich sah das Teil jeden Moment einen knallbunten Prospekt des Elektronikmarktes samt persönlicher Kaufempfehlung ausspucken. Den Leuten fallen ja die verrücktesten Sachen ein, um auf Kundenfang zu gehen.
Ich habe mich geirrt.
Auf ganzer Linie.
Zu spüren bekam ich das am nächsten Morgen, als ich mit Kaffeetasse und Breze in meine Büroecke schlurfte. Im herrlichsten Chaos lagen rund hundert Blätter wild verstreut auf dem Fußboden. Auf jedem stand: »Du wirst sterben.«
Gruselig; und der Drucker war definitiv ausgeschaltet.

Am liebsten hätte ich das Gerät noch am selben Tag entsorgt. Aber meine Neugier war stärker. Außerdem wusste ich beim besten Willen nicht, wie ich dem Kundendienst diesen recht speziellen Defekt erklären sollte, ohne in der Klapsmühle zu landen. Deswegen behielt ich ihn.
Die Entscheidung wurde mit der Nachricht »Bald« belohnt.

 

Seit dem ersten Ereignis an jenem Donnerstag sind rund acht Wochen vergangen und die Botschaften stapeln sich mittlerweile fast bis zur Decke.
Unter dem Fensterbrett steht ein Stoß mit den Worten »Ab heute in genau einem Jahr«, der jedes Mal gefährlich schwankt, wenn ich den Raum betrete. Hinten links in der Ecke befindet sich die Abteilung »So gegen Mittag«. Bei der Lampe habe ich den Haufen mit »In einem gewaltigen Feuer« aufgestapelt – schön ausgeleuchtet.
Ich komme mir langsam wie einer dieser Verschwörungstheoretiker vor, die sich irgendwo in einem Schutzbunker verbarrikadieren und auf den Untergang der zivilisierten Welt warten. Liegt vielleicht daran, dass ich das Haus mittlerweile nicht mehr verlasse. Eventuell ist es aber auch wegen der Nachrichten, die der Drucker letzte Woche ausgespuckt hat.
»Du wirst nicht allein sein« flatterte am Dienstag heraus.
»Alle werden sterben« folgte am Mittwoch.
»Das Ende der Menschheit«, fand ich am Freitag.
Danach schwieg das Ding. Tut es bis heute. Ich schätze, es hat gesagt, was es zu sagen hatte.
Ich wünschte, ich wäre nie in dieses verdammte Geschäft gegangen.

 

Daniela Herbst 11/08/2014 No Comments

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