Die drei Instanzen

»Wenn du vor der Wahl stündest: Ein ums andere Mal diesen Schmerz spüren, aber dafür auch unendliche Freude, oder in Anbetracht all der Emotionen auf dieser Welt nichts fühlen – wie würdest du dich entscheiden?«
»Ich weiß es nicht«, sagte das Herz und schlug in trommelndem Takt.
»Und du? Wenn du vor der Wahl stündest: Noch einmal das Risiko eingehen, weiterlesen

Halbwelten

Wütend kickte Sasch einen Stein über den Parkplatz. Diese Arschlöcher von der Achtzehn hatten ihn mal wieder aufgemischt. Das dritte Mal diese Woche – und heute war erst Dienstag.
»Hey Schwuchtel, lass Dollars rüberwachsen, sonst Gesichtsunfall!«
Soviel zum Thema staatliches Bildungssystem. Hätte ihn die Sache nicht zehn Euro gekostet, der verbale Brechdurchfall wäre direkt komisch gewesen. Statt zu lachen, zahlte weiterlesen

Die letzte Frage (Quickie)

Irgendwo in einem Schlafzimmer vielleicht gar nicht weit entfernt von hier sitzt die Familie beisammen, um einer Sterbenden Gesellschaft zu leisten …

 

»Man sagt, die Dinge des Lebens seien letztlich immer eine Frage der Perspektive. Nun, aus meiner Perspektive bin ich die Letzte, die noch am Leben ist und ich habe eine Frage: Nachdem all die Dinge getan sind, weiterlesen

Zeitengalerie

 Es war heutzutage weder eine Seltenheit noch etwas Besonderes, geschieden zu sein. Und es gab auf dieser Welt garantiert weitaus Dramatischeres als einen Ausschlag; selbst wenn er sich an einer wirklich ungünstigen Stelle befand. In dem Moment, in dem die Tür zum Behandlungsraum aufging und der neue Hautarzt seinen Kopf hindurch steckte, erschien Bettina Haller jedoch beides wie eine mittlere weiterlesen

Spiegel-Ich

 

Zitternd stand Kerstin vor dem Badspiegel. Ein leichter Schweißfilm bedeckte ihre Stirn und sie hatte einen metallischen Geschmack auf der Zunge. Irgendwie wirkte der ganze Raum fremd. So als würde sie nicht hier wohnen, sondern wäre nur zu Besuch. Ein makabres Gefühl.
Sie versuchte, mit dem Lippenstift eine feine Kontur um ihren Mund zu ziehen, aber es wollte ihr weiterlesen

Dornröschen mein

Vorsichtig streichelte er ihre Wange. Sie fühlte sich kühl und glatt an, so als würden seine Finger lebendigen Marmor berühren. Im Licht des frühen Tages wirkte ihre Haut zudem fast wächsern. Das milchige Weiß bildete einen harten Kontrast zum Rot ihres Mundes und dem dunklen Haar, das ihr Gesicht in Locken einrahmte. Sie sah ein bisschen aus wie Schneewittchen. Nur weiterlesen

Nach der Sache

»Der Hund sieht irgendwie komisch aus …«
»Das ist kein Hund.« Gerthie schüttelte den Kopf über die Unwissenheit ihrer Mutter und tippte mit ihrem kleinen Zeigefinger auf das Schildchen vor dem Schaukasten. »Das ist ein Wombat.«
»Ein Wom…«, hilfesuchend schielte Cosa zu ihrem Mann, doch der schien das Wort heute auch zum ersten Mal zu hören. Jedenfalls zuckte er nur weiterlesen